Große Wohnsiedlungen und COVID 19

Liebe Mitglieder und Freunde des Kompetenzzentrums Großsiedlungen,
unsere Geschäftsstelle wird das Vereinsleben weiter betreuen und die notwendige Geschäftstätigkeit vorwiegend per Home Office erledigen.
Was wir in diesen schwierigen Zeit als Verein und jeder Einzelne als Mitglied tun können, versuchen wir hier darzustellen?
 
Große Wohnsiedlungen in Zeiten des Virus!

Auswirkungen der Corona – Pandemie auf das Leben und die Planung in Großsiedlungen

I
Überforderte Nachbarschaften vermeiden

Das Zusammenleben in den großen Wohngebieten der 1960er bis 1980er Jahre ist durch die Pandemie in besonderer Weise gefordert.
- Viele Menschen wohnen enger als in anderen Siedlungsformen zusammen. Hauseingänge, Treppenhäuser und Aufzüge müssen gemeinsam genutzt werden, Ansteckungsgefahren sind entsprechend hoch.
- Der Anteil von Familien und Alleinstehenden mit Kindern ist ebenso wie der Anteil Älterer häufig höher als in anderen Siedlungsformen. Das eigentlich wünschenswerte, derzeit aber gefährdende Aufeinandertreffen von Jung und Alt ist dadurch schwerer zu vermeiden.
- Familien und Alleinstehende mit Kindern haben in den großen Wohnsiedlungen überdurchschnittlich häufig beengte Wohnverhältnisse. Teil-weise haben die Wohnungen weder Terrassen noch Balkone. Dem Wohnumfeld kommt daher besondere Bedeutung als Ausgleichsraum zu.
- Aufgrund des überdurchschnittlichen Anteils bildungsferner Haushalte sowie zugewanderter Haushalte mit sprachlichen Verständigungsproblemen ist konkrete Aufklärungsarbeit über die Gefahren des Virus im Wohnmilieu dringlich.

Das sind soziale und räumliche Bedingungen, die sich deutlich von den eher großzügigen Wohnverhältnissen in Einfamilienhausgebieten und Villenvierteln mit ihren Gärten unterscheiden.
Es ist bemerkenswert, mit welcher Ruhe und Besonnenheit die Menschen in den Großsiedlungen mit den mittlerweile zweiwöchigen Kontakteinschränkungen umgehen. Die Betreuungsleistungen der Wohnungsunternehmen und vieler an-derer Akteure der Gemeinwesenarbeit haben daran ihren Anteil. Es gibt aber auch bereits erste Anzeichen für konflikthafte Situationen.

Politik und Verwaltung müssen sich im Klaren darüber sein: Die Nachbarschaf-ten, die in benachteiligten Quartieren ohnehin große Integrationsleistungen schultern und damit andere Stadtviertel entlasten, brauchen besondere Unter-stützung, damit keine Überforderung eintritt und Konflikte eskalieren.
II
Schlussfolgerungen für krisenfesten Wohnungs- und Städtebau / Robuste Stadttechnik

Die gegenwärtige Krise gibt Anlass für eine Wiederaufnahme der in den letzten Jahren in den Hintergrund getretenen Diskussion über resilienten Städtebau.
Es geht um die Frage: Wie können Wohnquartiere krisenfest gemacht werden?
Der sensibelste Bereich ist zweifellos die technische Infrastruktur: Wasserver - und –entsorgung, Heizung und Strom, Verkehr Müllentsorgung und die digitalen Netze. Die Robustheit der vorhandenen Systeme gehört genauso auf den Prüfstand wie die Krisenanfälligkeit neuer Formen der Energieversorgung und der digitalen Prozesssteuerung.
Einfache Fragen stellen sich, wie z.B.: Wie sind Betreiber und Eigentümer auf Formen des Systemausfalls vorbereitet? Was funktioniert nicht mehr, wenn der Strom ausfällt? Ist ein elektronisches Schlüsselsystem wirklich sicher? Usw. usf.
III
Historische Erfahrungen mit resilientem Städtebau

Die städtebauliche Lösung kann die Krisenfestigkeit eines Wohnquartiers beeinflussen. Die aktuelle Tendenz zu höherer urbaner Dichte durch Nachverdichtung steht im Widerspruch zu historischen Erfahrungen des Siedlungsbaus in Reaktion auf Krisenzeiten.
- Die niedrige Dichte der bewunderten Siedlungen der 1920er Jahre und ihrer Gartenstadt – Vorläufer war keine Platzverschwendung, sondern hatte ihre Ursache in den notwendigen Gartengrößen, die für die Selbstversorgung notwendig waren und von Landschaftsplanern wie Leberecht Migge optimal ausgezirkelt wurden.
- Den Planern der großzügigen, nach den Prinzipien der aufgelockerten Stadtlandschaft errichteten Wohnanlagen der 1950er und 1960er Jahre ging es um Grün, Sonne, gesunde Wohnverhältnisse. Das Abstandsgrün zwischen den Wohnzeilen könnte sich noch als wertvolle Flächenressource erweisen – eben nicht nur für den Wohnungsbau, sondern für die Landwirtschaft und Gewerbeformen, die vielleicht erst im Entstehen sind.
- Die in der DDR industriell errichteten Wohngebiete hatten in der Regel jeweils eine großflächige Kleingartenanlage als Pendant. Hinzu kamen großflächige Garagenkomplexe. Der Garten und die Garage waren als Ergänzung der Wohnung Refugien der informellen Ökonomie in der Mangelwirtschaft der DDR.

Weitere Informationen und Beispiele zum Nachahmen:

 
 
Wie versprochen recherchieren und sammeln wir Beispiele, wie in Zeiten der Pandemie der Kontakt zu den Bewohnern aufrechterhalten oder auch einfach mit Aktionen und Hinweisen das eingeschränkte Leben erleichtert werden kann  
 

Das Kompetenzzentrum Großsiedlungen

 
Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V.

Kompetenzen verbinden – Wissen bündeln

Das Kompetenzzentrum Großsiedlungen wurde 2001 gegründet, um die Erfahrungen Berlins bei der nachhaltigen Erneuerung der großen Wohngebiete zu bündeln und an interessierte Partner in Deutschland und Europa weiterzugeben.

Heute stellt sich das Kompetenzzentrum als bundesweite Plattform des Erfahrungs- und Informationsaustauschs zur Zukunft der großen Wohngebiete und Siedlungen der 1920er bis 1980er Jahre auf. Darüberhinaus nutzt es seine zahlreichen Kontakte zu europäischen Partnern, um die Zukunft dieser großen Wohngebiete in die fachpolitische Diskussion und Projekte der Europäischen Union einzubringen.

Das Kompetenzzentrum Großsiedlungen wirbt für integrierte Konzepte, die städtebauliche Erneuerung, Klimaschutz, energetische Sanierung und soziale Stabilisierung im Rahmen wirtschaftlich tragbaren wohnungswirtschaftlichen Handelns ganzheitlich angehen und dabei innovative Methoden der baulichen Durchführung und des sozialen Umgangs anwenden.
 
Das Kompetenzzentrum - Ein starker und unabhängiger Partner
  • Es tritt ein für eine nachhaltige, ökologisch und sozial verträgliche sowie wirtschaftlich tragbare Entwicklung großer Wohngebiete in Deutschland und Europa.
  • Es pflegt ein Kooperationsnetzwerk, um Kompetenzen zu bündeln und die gesammelten Erfahrungen seinen deutschen und internationalen Partnern zur Verfügung zu stellen.
  • Es fördert die Kooperation zwischen Deutschland und den europäischen Ländern mit dem Ziel, die zukunftsfähige Entwicklung großer Wohngebiete als wichtige Herausforderung für die Politik der Europäischen Union herauszustellen.

Studie: Bauen in Nachbarschaften

Flächen für den Wohnungsbau werden in den Städten mit angespannten Wohnungsmärkten dringend gesucht. Die Potenziale der Innenentwicklung sind zusehends ausgeschöpft. Damit rücken die großen Wohnsiedlungen des 20. Jahrhunderts in den Mittelpunkt des Interesses.
Die Studie untersucht vier mögliche Formen des Bauens im Bestand: Aufstockung, Anbau, freistehender Neubau sowie Abriss und Ersatzneubau. Die Studie kann hier bestellt werden.  

Bundeskanzler-Stipendiatin im Kompetenzzentrum

Im November 2018 hat die junge russische Stadtplanerin, Maria Melnikova, ihre Arbeit im Kompetenzzentrum aufgenommen. Sie wird hier über ihre Aktivitäten und persönlich Erlebtes berichten.
Lesen Sie hier mehr!  

Führungen durch das Gelbe Viertel!

Gemeinsam mit dem Heimatverein Marzahn-Hellersdorf bieten wir nach vorheriger Terminvereinbarung Führungen durch das Wohnquartier - Gelbes Viertel - an.

Weitere Informationen erhalten Sie hier!  

Studie: Prinzipien für den Bau neuer Wohnsiedlungen

Angesichts der großen Herausforderungen beim Bau neuer Wohnungen hat das Kompetenzzentrum Großsiedlungen, im Auftrag des BBU, die Erfahrungen beim Bau der großen Wohnsiedlungen des 20.Jahrhunderts ausgewertet und Prinzipien für den Bau heutiger, neuer Wohnsiedlungen aufgestellt. Die Studie kann kann hier bestellt werden.  

Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V.

Riesaer Str. 2
12627 Berlin
Germany

Telefon: +49 30 9940 1242
Telefax: +49 30 9940 1244
E-Mail: info@gross-siedlungen.de
www.gross-siedlungen.de

RÜCKBLICK - 30 Jahre Wohnstadt Hellersdorf (Broschüre ist bereits komplett vergriffen!)

Das Kompetenzzentrum Großsiedlungen hat anlässlich des 30. Geburtstages der Großsiedlung Hellersdorf eine Materialsammlung mit historischen Dokumenten aus der Zeitschrift "Architektur der DDR" zusammengestellt. Die Broschüre "RÜCKBLICK - 30 Jahre Wohnstadt Hellersdorf" ist wegen der großen Nachfrage leider komplett vergriffen.  

"Perspektiven großer Wohnsiedlungen" - Jahrbuch 2015

Das Jahrbuch 2015 "Perspektiven großer Wohnsiedlungen" mit den Ergebnissen der Studie zur "Weiterentwicklung großer Wohnsiedlungen" des Difu und Kompetenzzentrums ist erschienen und kann hier bestellt werden.
Das Inhaltsverzeichnis des Buches und der Studie können hier eingesehen werden.
(ISBN 978-3-00-049520-5)  

"Leben in großen Wohnsiedlungen" - Jahrbuch 2013

Das Lebens in großen Wohnsiedlungen ist das Thema unseres Jahrbuchs 2013. Es bietet Ihnen neben grundsätzlichen Sichten auf die großen Wohnsiedlungen eine Fülle von Beispielen für das soziale Engagement in den Nachbarschaften. Sie können das Jahrbuch 2013 hier bestellen.
(ISBN 978-3-00-044463-0)  

Inforoute Platte & Co.

Im Wohnquartier Friedrichsfelde-Süd in Berlin Lichtenberg wurde die Inforoute Platte & Co. eingerichtet. Bei einem Sparziergang durch das Wohngebiet findet man Informationen und Geschichten über den industriellen Wohnungsbau. Denn hier, wurden fast alle Bautypen des industriellen Wohnungsbaus vom Beginn in den 1920er Jahren über die Aufbauphase nach dem Krieg bis zum industriellen Wohnungsbau der DDR-Zeit in Berlin errichtet.
 

Exibition Project Large Housing Estates

Here is the complete exhibition text is available in English.









 

Initiative Energieeffizienz Ukraine gegründet!

Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. begleitet Initiative zur Energieeinsparung in der ukrainischen Wohnungs-wirtschaft.  

Projekt "Energieeffiziente Stadt in der Ukraine"

Energieeffiziente Stadt in der Ukraine
Die Ukraine gehört weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Energieverbrauch bei gleichzeitig großen Energieverlusten. Am Beispiel der Stadt Zhovkva in der Westukraine sollen Möglichkeiten einer höheren Energieeffizienz an fünf Gebäuden untersucht und Handlungsempfehlungen abgestimmt werden.
Lesen Sie hier mehr über den Stand des Projektes.  

Bündnis für eine Soziale Stadt


Unterstützen auch Sie das Bündnis für eine Soziale Stadt!
Damit unsere Städte auch weiterhin sozial bleiben!

Hier erfahren Sie mehr über das Bündnis!